Weniger Wildunfälle

Jede Stunde kollidiert in der Schweiz ein Auto mit einem Reh. Jährlich werden der Polizei und den Wildhütern über 20‘000 Unfälle mit grossem und mittelgrossem Wild gemeldet. Nicht immer bleibt es für den Menschen beim Schrecken. Jedes Jahr verletzen sich auch über 60 Personen bei Unfällen mit Wild und es entstehen hohe Sachschäden. Die Jäger und Wildhüter haben die undankbare Aufgabe, verletztes Wild zu suchen und von ihrem Leiden zu erlösen. Diese Situation ist unbefriedigend. 

 

Neben Personenschäden und zehntausenden überfahrenen Tieren verursachen Kollisionen mit Wild hohe Sachschäden und einen grossen Arbeitsaufwand für Polizei, Jäger und Wildhüter. Versicherungswirtschaft, Behörden, Jäger und Tierschutz haben ein grosses Interesse, die Zahl der Unfälle mit Wildtieren zu senken und damit die Verkehrssicherheit auf Schweizer Strassen zu erhöhen. Mit dem Präventionsprojekt «Weniger Wildunfälle» wollen der Schweizerische Versicherungsverband SVV, JagdSchweiz und der Schweizer Tierschutz STS Kollisionen mit Wild auf den Strassen stark senken. 

Das Projekt «Weniger Wildunfälle» beruht auf zwei sich ergänzenden Ansätzen:
- das Wild mit einer technischen Massnahme (akustische Wildwarner) vor herannahenden Fahrzeugen gewarnt und von der Überquerung der Strasse abgehalten.
- die Automobilisten werden durch Information auf die Gefahren durch Tiere im Verkehr sensibilisiert (Flyer).

Pilotprojekt mit akustischen Wildwarnern
Die akustischen Wildwarner, die am Strassenrand an den bestehenden weissen Strassenleitpfosten befestigt werden, enthalten zwei lichtempfindliche Sensoren und einen Lautsprecher. Der Pfeifton wird ausgelöst, sobald zwischen den beiden Lichtsensoren eine Differenz an Licht festgestellt wird. Dies ist der Fall, wenn das Abblendlicht bzw. der Scheinwerfer des herannahenden Fahrzeuges auf den ihm zugewandten Sensor trifft (Dämmerung und Nacht).
Das Gerät wird in Abständen von ca. 50 Metern wechselseitig einmal am linken und einmal am rechten mit zwei Schrauben befestigt. Diese Arbeit wird von der Jägerschaft ausgeführt, die in Abständen von ca. zwei Monaten die Geräte auf die technische Funktionstüchtigkeit überprüft.

In den Kantonen Aargau, Luzern, Schaffhausen, St. Gallen und Zürich wurden von den Jägern mittlerweile rund 10'000 Wildwarner montiert (Stand Mai 2010). Die Pilotphase ist somit vorerst beendet. Nun werden die Ergebnisse der wissenschaftlichen Erfolgskontrolle abgewartet. Danach wird über eine allfällige Weiterführung des Projekts (Nachhaltigkeitsphase) entschieden.

Die Ergebnisse der Erfolgskontrolle im ersten Betriebsjahr der Anlagen liegen bereits vor. Die Wildwarner haben zu 98% einwandfrei funktioniert, einige Ausfälle gab es durch den landwirtschaftlichen Betrieb und Vandalenakte. Mit der wissenschaftlichen Begleitkontrolle konnte nachgewiesen werden, dass die Unfallzahlen beim Rehwild entlang der Strecken mit Wildwarnern um 32 – 43% zurückgegangen sind. Auch von den Streckenabschnitten, die nicht in die wissenschaftliche Evaluation miteinbezogen worden sind, werden durchwegs gute bis sehr gute Reduktionen von Unfällen mit Wild gemeldet.

Zum Faktenblatt des Projekts „Weniger Wildunfälle 2010“ in den Kantonen Aargau, Luzern, Schaffhausen, St. Gallen und Zürich

Flyer
Der Flyer „Achtung – Tiere im Verkehr“ wird über verschiedene Verteilkanäle an Autofahrer verteilt. Er transportiert die Hauptbotschaft, dass angepasste Geschwindigkeit den besten Schutz vor einer Kollision mit Wild bietet. Tiere verhalten sich im Verkehr unberechenbar und bei Kollisionen kann sich auch der Mensch verletzen. Der Leser erfährt, welche Tierarten sich wie verhalten, wann im Tagesablauf die grösste Gefahr herrscht und was nach einer Kollision zu tun ist. Den Automobilisten wird auf dem Umschlag empfohlen, den Flyer im Handschuhfach aufzubewahren. Der Flyer deckt auch Haustiere und Amphibien ab.
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